*** 1. Kapitel: Der Glaube daran ***
Miranda stand am Fenster und beobachtete wie die Sonne aufging. Der Himmel färbte sich dunkelrot und dann blassrosa. Heute war es soweit. Der Besuch stand bevor, wenn es diese Schule für Zauberei und Hexerei wirklich gab. Insgeheim hoffte sie darauf, aber ihre Eltern versuchten ihr einzureden, dass es solchen ‘Schwachsinn’ unmöglich geben konnte.
Als sie das Wohnzimmer betrat redeten ihre Eltern gerade über die Großtante. Miranda konnte ihre Großtante Mary nicht leiden, aber ihre Eltern machten einen großen Wirbel um sie.
„Sie wird immerhin sechzig“, pflegte ihre Mutter seit fast schon zwei Wochen jeden Tag zu sagen.
Lucas saß auf der Couch und las eines seiner Lieblingscomichefte.
Miranda ging in die Küche. Es war noch früh am Morgen, gerade mal acht Uhr. Ihre Eltern redeten immer noch, als das Mädchen den Tisch eindeckte. Brötchen, Marmelade, etwas Butter und Besteck. Im Kühlschrank entdeckt sie noch Honig und eine Torte, die ganz bestimmt für Mary gedacht war.
Sie setzte sich an den Tisch, immer noch musste sei an den Brief denken. An das gelbliche Pergament, die dunkelblaue Tinte und den blutroten Siegel. Miranda hatte immer noch keine Ahnung, was sie davon halten sollte. Insgeheim wünschte sie sich, dass sie dunkelblauen Worte war waren. Das sie irgendwelche verborgenen magischen Fähigkeiten besäße und jetzt auf eine Schule für junge Zauberer und Hexen ging. Sie wurde endlich raus kommen, aus diesem kleinen Dorf, wo es niemanden gab, der gern mit ihr spielte und ihr nur der Familienhund und die endlose Natur blieb. Endlich kam auch ihr Bruder an den Tisch und ihre Mutter und schließlich auch ihr Vater. Sie nahmen sie kaum war, jedenfalls schien es dem elfjährigen Mädchen so. Das einzige Mal, dass sie mit ihr redeten, war als ihre Mutter sie fragte, ob sie den schon ihr Zimmer aufgeräumt habe. „Klar“, war ihre knappe Antwort darauf, aber ihre Mutter war mit den Gedanke wieder wo anders. Nach dem morgendlichen Gespräch über das und die Welt, hing jetzt beim Frühstück jeder seinen eigenen Gedanken nach. Bei der Großtante waren sie erst für heute Abend angekündigt, sie hatten also noch viel Zeit, bis sie zur dreistündigen Fahrt aufbrechen würden.
Miranda stahl sich ins Arbeitszimmer ihres Vaters, während der mit ihrem Bruder die spanischen Vokabeln wiederholte, was seine Frau ihm wütend aufgetragen hatte, nachdem sie sich schon wieder um den ganzen Haushalt gekümmert hatte. „Dann machst du wenigstens das und ich leg die Füße hoch!“ Als sie sie Stapel an Blätter mit wichtigen Notizen durchwühlte, fiel ihr sofort die gelblich Ecke des Briefes auf, die aus dem Stapel lugte. Vorsichtig und leise schloss sie wieder die Tür, die sofort zu knarren begann, was zum Glück keiner hörte, ihr Bruder stritt sich wieder mal mit dem Vater. Die Schuhe hatte Miranda schon im Flur ausgezogen und so schlich sie leise, den Brief an ihre Brust gedrückt, die Treppe hinauf zu ihrem Zimmer. Sie zog die Liste mit dem benötigten Schulmaterial aus dem Umschlag und begann zu lesen.Wenn es diese Schule gab, wollte sie vorbereitet sein. Sie hatte zwar schon das Bestätigungsdatum überschritten, aber vielleicht kam ja trotzdem der Zauberer, der im Brief zum Abholen erwähnt worden war.
Sie überflog die Liste.
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Hogwartsschule für Hexerei und ZaubereiIm ersten Jahr benötigen die Schüler
1. Drei Garnituren einfache Arbeitskleidung (schwarz)
2. Einen einfachen Spitzhut (schwarz) für tagsüber
3. Ein paar Schutzhandschuhe (Drachenhaut o.Ä.)
4. Einen Winterumhang (schwarz, mit silbernen Schnallen) Bitte beachten Sie, dass alle Kleidungsstücke der Schüler mit Namensetiketten versehen sein müssen.
Ferner werden benötigt
- 1 Zauberstab
- 1 Kessel (Zinn, Normgröße 2)
- 1 Sortiment Glas- oder Kristallfläschchen
- 1 Teleskop
- 1 Waage aus Messing
Es ist den Schülern zudem freigestellt, eine Eule oder eine Katze oder eine Kröte mitzubringen.
Die Eltern seien daran erinnert, dass Erstklässler keine eigenen Besen besitzen dürfen.
Lehrbücher
Alle Schüler sollten jeweils ein Exemplar der folgenden Werke besitzen
- Miranda Habicht: Lehrbuch der Zaubersprüche, Band 1
- Bathilda Bagshot: Geschichte der Zauberei
- Adalbert Schwahfel: Theorie der Magie
- Emeric Wendel: Verwandlungen für Anfänger
- Phyllida Spore: Tausend Zauberkräuter und -pilze
- Arsenius Bunsen: Zaubertränke und Zauberbräue
- Lurch Scamander: Sagentiere und wo sie zu finden sind
- Quirin Sumo: Dunkle Kräfte. Ein Kurs zur Selbstverteidigung
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———-Vieles davon hatte natürlich kein normaler Mensch. Aber einen schwarzen Umhang hatte sie, der letzte Winter war hart gewesen und kalt. Lausig kalt. Er hatte zwar keine silbernen Schnallen, wie es dort geschrieben stand, aber besser als nichts. Die Schutzhandschuhe konnte sie auch auftreiben, auch wenn nirgends im Schuppen hinter dem Haus welche aus Drachenhaut zu finden waren. Miranda zog einen Füllfederhalter aus der obersten Schublade ihres Schreibtisches und hackte die zwei Punkte ab.
Nach einer halben Stunde hatte sie den Koffer aus dem letzten Urlaub vom Dachboden geholt, die Schutzhandschuhe, die ihre Mutter zum Unkraut jäten gebraucht, hinein gepackt und im Schuppen sogar noch eine Sammlung an Glasfläschchen gefunden, die alle verschiedene Farben und Formen hatte und deshalb von ihm Vater aufgehoben worden waren. Einen Hut hatte sie auch gefunden, aber an ihm waren ganz viele gelbe Sterne befestigt, die auf Knopfdruck dann sogar leuchteten. Es war eine Halloween- Verkleidung gewesen, aber jetzt war er ihr zu peinlich. Bestimmt würden die anderen auch nicht so etwas haben, sondern ganz schlichte schwarze Hüte. Dann lieber gar keinen.
Jetzt begann sie mehr und mehr an die Existenz dieser Schule zu glauben, ihre Fantasie kannte keine Grenzen. Sie konnte sich schließlich auch stundenlang im Wald aufhalten und alleine eine Indianerschlacht nach spielen, warum also sollte sie nicht an Hexen und Zauberer glauben können.
Statt der Garnituren schwarzer Kleidung, landeten in ihrem Koffer drei dunkelblaue Jeans und zwei dünne schwarze Pullover plus zwei schwarze T-shirts. Sie war sich nicht ganz sicher, ob Hexen und Zauberer auch Feste feierten – warum eigentlich nicht? - aber sie packte trotzdem zwei ihrer schönsten Kleider ein, auch wenn sie weder schwarz waren, noch auf der Liste standen.
Als ihre Mutter nach ihr rief, weil das Essen bald fertig sei, aber der Hund noch ein bisschen raus wolle, hatte Miranda alles in ihrem Koffer, was auf der Liste stand, nur drei Dinge war noch nicht abgehakt: Die ganzen Schulbücher, der Zauberstab und der Zinnkessel in Normgröße 2. Da hatte sie keine Ahnung, woher sie das nehmen sollte und das bereitete ihr ernsthafte Sorgen.
Lore lag im Garten und döste, er wird wirklich nicht, als wollte er sich „ein bisschen die Beine vertreten“, wie ihre Mutter ihr erklärt hatte, während sie die Pilze fürs Mittagessen putzte. Der große, alte Hund wirkte eher so, als wolle er sich an einen gemütlicheren Ort legen und dann die nächsten zwei Jahre durch schlafen. Das Leckerli bewegte ihn gerade mal dazu, die Augen zu öffnen und so schnell danach zu schnappen, dass Miranda keine Chance hatte, ihn damit auf die Beine zu kriegen. Und so legte sie sich neben das große Tier und erzählte ihm von ihren Sorgen. Ob er sie verstand? Das wusste sie natürlich nicht? Aber insgeheim glaubte sie es und sie glaubte auch, dass der Hund ihr nur deshalb nicht antwortete, weil er das Thema einfach viel zu langweilig fand, wie alle Themen.
Es war zehn Uhr, als Miranda wieder in ihrem Zimmer auf der Bettkante saß, die Füße auf ihrem Koffer und in den Händen der Brief. Sie las ihn nicht. Sie saß einfach da, mit geschlossenen Augen und hoffte. Hoffte, dass sich alles für wahr herausstellte.
Und gerade, als sie aufstehen wollte, um sich eins ihrer Lieblingsbücher zu holen und die Zeit der Wartens mit lesen totschlagen wollte, hörte sie einen Knall. Einen sehr lauten Knall.
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